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DIE NEUESTEN ENTWICKLUNGEN - Crans-Montana: Le Constellation soll ein Jugendzentrum werden

DIE NEUESTEN ENTWICKLUNGEN - Crans-Montana: Le Constellation soll ein Jugendzentrum werden

In der Bar «Le Constellation» im Skiort Crans-Montana im Wallis ist es in der Neujahrsnacht zu einem verheerenden Brand gekommen. 41 Personen sind ums Leben gekommen. Die Ermittlungen laufen. Der Überblick über den Stand der Dinge.

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In der Silvesternacht ist es im Skiort Crans-Montana im Wallis in der Bar «Le Constellation» zu einem verheerenden Brand gekommen. Kurz vor 1 Uhr 30 brach im Untergeschoss der Bar ein Feuer aus. Vierzig Personen kamen in der Nacht ums Leben, eine Person erlag Anfang Februar ihren Verletzungen. Hundertfünfzehn weitere Personen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Unter den Opfern sind überwiegend junge Menschen aus dem In- und Ausland, zahlreiche von ihnen minderjährig. Es ist eine der schlimmsten Brandkatastrophen der Schweizer Geschichte.

Laut ersten Ermittlungen entstand das Feuer durch eine Sprühfontäne auf einer Champagnerflasche. Ein Video aus der Nacht zeigt, wie eine Kellnerin auf der Schulter einer Person sitzt und die Flasche in die Luft hält. Die Funken der Sprühfontäne berühren dabei fast die mit leicht entflammbarem Kunststoff bekleidete Decke. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Decke deshalb Feuer fing. Nach etwas mehr als einer Minute brannte der ganze Raum, man spricht von einem «Flashover».

In den Wochen nach der Katastrophe wird klar, warum so viele Menschen ums Leben kamen: Nicht nur ging der Raum im Untergeschoss innert Sekunden in Flammen auf. Auch war der einzige Notausgang im Untergeschoss wohl versperrt. Der einzige Fluchtweg führte über eine enge Treppe ins Obergeschoss der Bar.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen bald folgende Fragen: Warum war der Notausgang im Untergeschoss verschlossen? Wer installierte das brennbare Material an der Decke der Bar? Haben die Behörden die Bar ausreichend kontrolliert?

In den Tagen nach der Katastrophe ermitteln die Behörden gegen das Ehepaar Jacques und Jessica Moretti, das die Bar «Le Constellation» betreibt und mutmasslich Sicherheitsrichtlinien missachtete. Die Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst ein.

Jacques Moretti stammt aus Korsika, Jessica Moretti von der Côte d’Azur. Die Morettis hatten die Bar 2015 übernommen und eigenständig renoviert. Damals versah Jacques Moretti die Decke mit dem brennbaren Akustikschaumstoff. Dem Material, das am 1. Januar 2026 in Flammen aufging. Moretti gab in einer Anhörung zu, den brennbaren Schaum eigenständig montiert zu haben.

Jacques Moretti wurde im Januar in Untersuchungshaft genommen, da die Staatsanwaltschaft die Fluchtgefahr als real einschätzte. Zwei Wochen später konnte er das Gefängnis verlassen, jemand hatte eine Kaution in Höhe von 200 000 Franken hinterlegt. Moretti ist vorbestraft: Er war 2008 in Frankreich wegen Zuhälterei zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden, davon acht auf Bewährung.

Je länger die Ermittlungen laufen, desto mehr zeigt sich, dass die Katastrophe wohl hätte vermieden werden können, wenn die Behörden besser kontrolliert hätten. Im Februar klagte die Staatsanwaltschaft einen ehemaligen Sicherheitsverantwortlichen der Gemeinde Crans-Montana an sowie jene Person, die das Amt jetzt ausübt.

Die Bar «Le Constellation» wurde gemäss Ermittlungen in den vergangenen sechs Jahren nie auf Brandschutz kontrolliert. Eigentlich müssten solche Kontrollen von den Gemeinden jährlich durchgeführt werden.

Neben der Gemeinde wird auch die Staatsanwaltschaft kritisiert. Als die Staatsanwältin Beatrice Pilloud Stunden nach dem Unglück zum ersten Mal vor den Medien sitzt, ist sie von Walliser Behördenvertretern umringt, die in den Folgetagen jede Verantwortung für das Unglück von sich weisen werden. Der Auftritt nährt ein Bild, das in den kommenden Wochen immer stärker werden wird: Das Wallis scheint zu echter Aufklärung nicht in der Lage.

Tatsächlich deutet vieles auf Chaos und Mängel bei der Strafuntersuchung hin. So wurden wichtige Beweismittel wie etwa die Mobiltelefone von Jacques und Jessica Moretti nicht systematisch gesichert; das geschah erst acht Tage nach der Katastrophe. Opferanwälte sowie die Verteidiger der Morettis werfen der Staatsanwaltschaft vor, sie ermittle zu langsam und konzentriere sich zu wenig auf Gemeindevertreter und kantonale Behörden.

Ein weiterer Kritikpunkt gegenüber den Behörden ist die zunächst ausgebliebene Obduktion der Opfer. Offenbar hat die Staatsanwaltschaft dies nicht angeordnet. Weshalb, ist unklar.

Unter den Todesopfern der Brandkatastrophe sind zahlreiche Ausländer. Neun Opfer stammen aus Frankreich, sechs aus Italien. In den Nachbarländern haben die Katastrophe und auch die Arbeit der Behörden bei den Ermittlungen für viel Unmut gesorgt. Insbesondere Italien setzte die Schweiz unter Druck, zog sogar den italienischen Botschafter in Bern ab. Das Land fordert, eine gemeinsame Ermittlungsgruppe zwischen Italien und der Schweiz zu gründen. Bislang ist nichts dergleichen geschehen.

In den Tagen nach der Katastrophe waren auch zahlreiche internationale Medien in Crans-Montana, um über die Ereignisse zu berichten. Im Rückblick wird klar: Die Kommunikation mit den Medien war unkoordiniert, die Behörden waren stark überfordert.

Von den hundertfünfzehn Verletzten waren es rund achtzig, die mit schweren oder schwersten Brandverletzungen kämpfen. Sie wurden in Spitälern, die auf Brandverletzungen spezialisiert sind, im In- und Ausland behandelt. Sie haben teilweise lebensrettende Massnahmen, künstliche Beatmung und mehrere Operationen hinter sich. Anfang Februar hatten sich am Universitätsspital Zürich zwei der Verletzten mit einem gefährlichen Bakterium infiziert, einer von ihnen ist gestorben. Laut Experten könnte es weitere Fälle geben.

Die Heilung ist für die Opfer ein langer und schwerer Weg. Im Februar hat der Bundesrat angekündigt, die Betroffenen der Brandkatastrophe mit zusätzlichen Geldern zu unterstützen: Die Schwerverletzten sowie die Angehörigen der Opfer der Katastrophe von Crans-Montana werden einen Solidaritätsbeitrag von je 50 000 Franken erhalten. Dazu hat er die «Lex Crans-Montana» verabschiedet; ein dringliches Bundesgesetz.

Neben dem Solidaritätsbeitrag sollen durch das Gesetz die Stellen für Opferhilfe in den Kantonen mehr Geld erhalten. Damit will der Bundesrat medizinische, psychologische und soziale Angebote unterstützen. Das dritte und womöglich anspruchsvollste Element des Crans-Montana-Pakets ist ein runder Tisch: ein Mediationsverfahren, das aussergerichtliche Vergleiche ermöglichen soll, indem alle Beteiligten, von den Opfern bis zu Versicherungen und Behörden, auf freiwilliger Basis zusammensitzen und einen Kompromiss aushandeln.

Die Brandkatastrophe vor einem Monat war vermeidbar. Schlimmer noch: Selbst in den Ermittlungen agieren die Walliser Behörden gehemmt. Rekonstruktion eines Falls, der noch grösser werden könnte.