+ VideoNati-EdelreservistTickende Zeitbombe? Hitzige Diskussionen um Noah Okafor151782
Friede, Freude, Eierkuchen bei der Schweizer Nati nach geschafftem Gruppensieg, doch eine Personalie gibt trotz des 2:1 gegen Kanada weiter zu reden. Auch gegen den Co-Gastgeber blieb Noah Okafor 90 Minuten plus Nachspielzeit draussen, obwohl der 26-jährige Flügelspieler mit einer persönlich starken Rückrunde bei Leeds im Gepäck an die WM reiste.
«Warum Okafor nicht spielt, ist mir ein Rätsel. Das versteht kein Mensch – ausser Murat Yakin und der Staff, die werden ihre Gründe haben», analysiert SRF-Kommentator Sascha Ruefer im Gespräch mit Paddy Kälin und Beni Huggel die Reservistenrolle Okafors. «Für mich ist das eine tickende Zeitbombe», sagt Ruefer in Hinblick auf Okafors Vergangenheit, wo der Baselbieter unter anderem während der EM 2024 für Misstöne im Nati-Camp gesorgt haben soll.
Auf Okafor und den Zeitbombenvergleich um dessen Person angesprochen, kann Gregor Kobel mitfühlen. «Klar ist es frustrierend für ihn. Er hat riesige Qualitäten und will spielen», erklärt der Nati-Goalie. Die Einstellung des Offensivspielers stimme jedoch. «Er gibt Gas und will bereit sein, wenn es ihn braucht. Ich erlebe ihn nicht als Zeitbombe.»
In Vancouver hatte Yakin die Nichtberücksichtigung des Premier-League-Profis mit taktischen Überlegungen begründet. «Ich hatte Noah in meinen Gedanken, und wenn es 2:0 geblieben wäre, hätte ich ihn auch gebracht. Aber dann kam eine schwierige Phase.» Wegen der kanadischen Schlussoffensive habe er erfahrene Spieler, welche die Abläufe noch besser kennen würden, präferiert.
Zurück in San Diego erläutert Yakin, dass auch Okafors Verletzungshistorie eine Rolle gespielt habe.«Er ist mit einer Verletzung ins Camp eingerückt und hat noch keinen Ernstkampf in den Beinen», sagt der Nati-Trainer bei SRF. «Aber in Spielen, in denen man gegen Schluss noch ein Tor braucht, ist er eine Option.»
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Ob Okafor im 1/16-Final zum Einsatz kommt, dürfte gemäss Yakin also auch stark vom Spielverlauf abhängen. Kommunikativ scheinen indes alle Parteien von der Vergangenheit gelernt zu haben. Noah Okafor selbst hatte sich bei seiner Nati-Rückkehr aus eigenem Antrieb vor versammelter Mannschaft für sein früheres Verhalten entschuldigt und verhält sich auch in der aktuellen Phase – zumindest nach aussen – ruhig.
Murat Yakin versucht den Angreifer derweil trotz Reservistenrolle bei Laune zu halten. In Vancouver hatte er beim öffentlichen Teil des Abschlusstrainings vor den Augen der anwesenden Medienschaffenden das Gespräch mit Okafor gesucht und so – ob bewusst oder unbewusst - ein Signal nach aussen gesendet.
Im Interview mit 20 Minuten vor dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina (4:1) hatten auch Okafors Brüder Verständnis für die delikate Situation Noahs geäussert. «Man darf nicht vergessen: Noah hat während der gesamten Qualifikation praktisch keine Rolle gespielt. Die Mannschaft hat sich ohne ihn qualifiziert. Deshalb ist es normal und völlig nachvollziehbar, dass andere Spieler zunächst Vorrang haben», sagte Isaiah Okafor.
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Florian Gnägi (flo) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten im Ressort Sport. Seine grösste Expertise hat er auf den Themengebieten Fussball und Tennis.