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Kuriose Kehrtwende einer Trump-Influencerin: Laura Loomer sieht sich plötzlich als Opfer russischer Propaganda

Kuriose Kehrtwende einer Trump-Influencerin: Laura Loomer sieht sich plötzlich als Opfer russischer Propaganda

Jahrelang hat die rechte Aktivistin prorussische, antiukrainische Meinungen geäussert. Nun will sie geläutert sein und warnt die Maga-Bewegung vor Affinitäten mit Moskau.

Das Aha-Erlebnis wirkt ungewöhnlich für eine Influencerin, die sonst abstruse Behauptungen vehement verteidigt hat: Mitte Juni gestand Laura Loomer in ihrem Video-Podcast Loomer Unleashed, sie sei auf russische Propaganda hereingefallen, insbesondere auf die Legende einer «Entnazifizierung» der Ukraine, mit der Putin den Ukraine-Krieg legitimiere. Sie habe nur nachgeplappert, sagt sie nun: «Weil ich dachte, ich würde, na ja, das Richtige sagen – ohne zu erkennen, wie ich als konservativer Mensch, als Trump-Unterstützerin oder einfach als amerikanische Bürgerin durch Online-Propaganda emotional manipuliert wurde.»

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Die Ukraine-Skepsis ist bei den Konservativen in den USA weit verbreitet. In einer Umfrage hielten über 50 Prozent der Maga-Republikaner Putin für einen besseren Präsidenten als Biden. Die Aktivistin warnt die Trump-Anhänger vor einer Instrumentalisierung durch Moskau: «Viele von uns begannen, zu sehr mit Russland zu sympathisieren». Tatsache sei, dass die Russen nur vorgäben, ein christliches Land zu sein. In Tat und Wahrheit «ermorden sie Tausende, ja Hunderttausende junger Christen in der Ukraine».

Die Influencerin hatte zuvor jahrelang prorussische und antiukrainische Inhalte verbreitet. Sie begann damit kurz nach Kriegsbeginn im März 2022, indem sie Beschuldigungen gegen die Ukraine erhob. Zudem trat sie nach eigenen Angaben punktuell als politische Kommentatorin im russischen Staatssender Russia Today auf. Unter anderem publizierte sie einen undatierten Artikel über die Tech-Zensur in den USA. Sie habe aber nie Geld für ihre Beiträge angenommen, sagt Loomer.

Die 33-Jährige ist eine notorisch bekannte Figur in den USA. Sie trollt die politische Elite seit dem Auftreten von Donald Trump 2016, dem sie treu ergeben ist. Sie stürmte Kongressanhörungen und Theaterbühnen, setzte Demokraten nach, nannte sich eine «stolze Islamophobin», und postete eine Flut von reisserischen Anklagen und Verschwörungstheorien über den 11. September, Wahlbetrug, Immigranten, Linke und angebliche Verräter in den eigenen Reihen. Es mag nicht verwundern, dass sie auch im rechtskonservativen Lager unbeliebt ist. Aber einer mag die hyperaktive Aktivistin: Donald Trump.

Während seines Wahlkampfs 2024 nahm er sie in seinem Jet zu Rallys mit. Sein Team betrachtete die Bekanntschaft kritisch und soll eine Anstellung als offizielle Beraterin verhindert haben. Nach Trumps zweitem Wahlsieg tauchte sie im Oval Office als inoffizielle Beraterin in Personalangelegenheiten auf. Es spricht einiges dafür, dass Loomer mehrere Entlassungen in Trumps Rat für nationale Sicherheit erwirkte, weil sie angebliche Illoyalitäten gegenüber dem Präsidenten aufdeckte. Die Entlassungen kommentierte sie mit: «Skalp!» – oder «Geloomert!» («loomered») wie auch ihr Buch und ihre Website heissen. Aus der Denunziation hat sie längst ein Geschäft gemacht.

Laut dem Magazin «The New Yorker» sieht sich die 33-Jährige als Verteidigerin und Seelenverwandte von Trump: «Immer wenn ich ihm zuhöre, fühle ich mich, als ob ich mir selber zuhören würde. Macht das Sinn?»

In ihrer Videonachricht analysiert sie die psychologische Dynamik, die sie und andere rechtsradikale Influencer für die Desinformation aus Moskau empfänglich machte. Für Loomer fing es an, als sie aufgrund ihrer provokativen Aussagen zensuriert wurde. Twitter und Facebook sperrten ihre Konten, und nach einer rassistischen Bemerkung über muslimische Taxifahrer verwehrte ihr der Fahrdienst Uber den Service. Das habe sie für die Avancen von Russia Today anfällig gemacht, sagt die Influencerin. Dort habe sie sagen dürfen, was sie dachte.

Sie sei langsam zu Gedanken wie diesen verleitet worden: Vielleicht ist den Russen die Meinungsfreiheit wichtiger als in meinem Land. Als dann Putin höchstpersönlich davon sprach, dass Trump 2020 die Wahl gestohlen worden sei und Big Tech dabei mitgeholfen habe, etwas, das auch Loomer behauptete, habe sie erstaunt gedacht: «Wow!» So habe sie begonnen, Putin-freundliche Kommentare zu schreiben. Als Beispiel wäre zu nennen: Es sei «zu 100 Prozent richtig, dass die Ukraine entnazifiziert werden muss.»

Ein weiterer Faktor sei die Russland-Debatte rund um Trump gewesen. Sie ging einher mit einer FBI-Untersuchung der Trump-Kampagne und führte zur Russland-Sonderermittlung. Das habe im rechten Lager zu einer «Russland-Müdigkeit» geführt. Man habe es sattgehabt, dass Russland ständig angegriffen worden sei. Loomer blendet dabei aus, dass Russland 2016 tatsächlich versucht hatte, die Wahlen zugunsten Trumps zu manipulieren.

Warum Loomer die Kehrtwende vollzieht, ist nicht klar. Sie sagt, Informationen ihres Produzenten, der kürzlich die Ukraine besucht habe, hätten sie überzeugt. Zudem unterstützten die Russen amerikanische Neonazis, deren Inhalte als Clips in den russischen Medien verbreitet würden. Damit könnte sie ihre Erzrivalin Candace Owens gemeint haben. Denn diese trat unmittelbar davor am Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg auf. Owens ist eine weitere prorussische Verschwörungstheoretikerin der rechten Blogosphäre. An «Putins Davos» referierte sie über konservative Familienwerte.

Owens ist wiederholt mit antisemitischer Rhetorik aufgefallen; Loomer ist jüdischer Herkunft. Die beiden rechten Influencerinnen tragen seit längerem eine gepfefferte Fehde in den sozialen Netzwerken aus. Diese eskalierte nach der Ermordung von Charlie Kirk, als Owens behauptete, Kirk habe sich kurz vor seinem Tod von Israel abgewandt. Loomer widersprach dieser Behauptung vehement. Das Duell ist in den vergangenen Wochen wieder aufgeflammt, zur Ergötzung von mehreren Millionen Followern.

Ist Loomers Kehrtwende also eigentlich ein Produkt einer ganz anderen Debatte um Israel, die die amerikanische Rechte entzweit? Oder bloss eine Episode eines schrillen Showkampfs im Influencer-Milieu? Oder geht es ihr wirklich um das Leid der Ukrainer? Endgültig lässt sich das nicht beantworten. Die Geschichte wirft jedoch ein Schlaglicht darauf, wie Russland-affin einflussreiche Persönlichkeiten aus dem rechten Spektrum sind. Zu ihnen gehört auch der ehemalige Fox-News-Starmoderator Tucker Carlson, der im Februar 2024 Putin auffallend unkritisch interviewte.

Mit Tulsi Gabbard war eine prorussische Influencerin sogar im Weissen Haus vertreten. Auch die inzwischen zurückgetretene amerikanische Geheimdienstkoordinatorin hatte vor ihrem Amt Argumente des Kremls verbreitet, unter anderem die Legende, dass die USA geheime Biowaffenlabore in der Ukraine finanziert hätten. Ihre Äusserungen wurden von russischen Staatsmedien gefeiert, während der damalige republikanische Senator Mitt Romney ihr «verräterische Lügen» vorwarf.

Was auch immer die Motive waren, die Figuren wie Gabbard, Carlson, Owens und Loomer bewegten, russische Propaganda zu repetieren: Dem Kreml spielten sie in die Hände. Laut der linken Zeitung «Mother Jones» enthüllten geleakte Kreml-Dokumente im März 2022 die Anweisung, «so viele Fragmente aus Sendungen des populären Fox-News-Moderators Tucker Carlson wie möglich zu verwenden.» Im September 2024 klagte das amerikanische Justizministerium zwei Angestellte von Russia Today an, durch eine Firma in Tennessee Inhalte in den USA verbreitet zu haben. Die Propaganda erreichte dank rechten Influencern ein millionenfaches Publikum.

Laura Loomers Geständnis bleibt ein Kuriosum. Sie selbst sieht sich als Prophetin: «Niemand ist mehr verhasst, als derjenige, der die Wahrheit sagt», zitiert sie gerne Plato, wobei das Zitat nur vermeintlich von dem Philosophen stammt. Mit ihrem Wendemanöver stellt sie sich möglicherweise auch mit ihrem Idol, Präsident Trump, quer. Unter seiner Regierung wurde das amerikanische Engagement für die Ukraine weitgehend eingestellt. Die Ukraine-Skeptiker geben derzeit den Ton an im Weissen Haus.

Nach den ersten bilateralen Gesprächen mit Russland hört sich Donald Trump wie Wladimir Putin an. Der amerikanische Präsident wies dem ukrainischen Staatschef die Schuld an dem Blutvergiessen zu und stellte seine demokratische Legitimität infrage.

Sie ist 32 Jahre alt, nennt sich investigative Journalistin und wacht über die ideologische Reinheit im Weissen Haus. Ihre Posts zu Vorlieben und Vorleben öffentlicher Personen haben schon diverse Regierungsmitarbeiter zu Fall gebracht.

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