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Das jüngste Opfer von Hegseths Umbau: Der Befehlshaber der US-Armee in Europa räumt seinen Posten

Das jüngste Opfer von Hegseths Umbau: Der Befehlshaber der US-Armee in Europa räumt seinen Posten

Chris Donahue sei «wie ein Actionheld aus einem Comic», sagte einst der Nato-Oberbefehlshaber. Er verliess als letzter amerikanischer Soldat Afghanistan – und wird nun auch aus Europa abgezogen.

Es gibt Bilder, die in die Militärgeschichte eingebrannt sind: Das am 30. August 2021 in Kabul durch ein Nachtsichtgerät aufgenommene und darum grünlich gefärbte Foto von Chris Donahue gehört mit Sicherheit dazu. Er war der letzte amerikanische Soldat, der nach dem fast zwanzig Jahre dauernden Afghanistan-Einsatz der amerikanischen Armee (und der Verbündeten) das nunmehr vollständig von den Taliban eroberte Land verliess.

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Erneut gerät Donahue in die Schlagzeilen – diesmal allerdings in einer Weise, wie er es sich kaum gewünscht hätte. Wie das Pentagon gegenüber der Associated Press bestätigt hat, verlässt er seinen Posten als leitender General der amerikanischen Armee in Europa und Afrika sowie als Kommandant des Nato-Landkommandos («Allied Land Command»).

Über die Hintergründe ist wenig bekannt, die Medienstellen der Nato und die amerikanische Nato-Mission in Brüssel reagierten am Freitag nicht auf entsprechende Anfragen. Im luftleeren Raum geschieht der Schritt allerdings nicht – im Gegenteil: Es passt zur strategischen Neuausrichtung der amerikanischen Militärpräsenz in Europa und zur umstrittenen Personalpolitik von Verteidigungsminister Pete Hegseth.

Donahue bekleidete seinen Posten lediglich eineinhalb Jahre. Der 56-Jährige, der den Terrorangriff vom 11. September 2001 als Augenzeuge miterlebt hat, gilt als einer der erfahrensten Führungskräfte der amerikanischen Armee. Er kommandierte im Irak, in Syrien und in Afghanistan Spezialeinsatzkräfte, bevor er vom Sommer 2020 bis zum Frühling 2022 die renommierte 82. Luftlandedivision, den grössten Luftlandeverband der Welt, leitete.

«Er ist fast wie ein Actionheld aus einem Comic», sagte der damalige Nato-Oberbefehlshaber Christopher G. Cavoli bei der Zeremonie am 10. Dezember 2024, nachdem Donahue zum Kommandanten der amerikanischen Armee in Europa ernannt worden war. Im Zuge der Rotation wurde der fünffache Familienvater zum Viersternegeneral befördert.

Das war, kurz nachdem Donald Trump erneut zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden war, aber noch bevor er das Amt angetreten hatte – was für Donahue nun mutmasslich zum Problem geworden ist. Denn Trump wie auch Hegseth haben den Afghanistan-Abzug unzählige Male als Desaster bezeichnet, das das politische Erbe des damaligen Präsidenten Joe Biden schwer belaste.

Donahue war mit seiner Luftlandedivision erst spät nach Afghanistan beordert worden – zu einem Zeitpunkt, als sich die Sicherheitslage schon massiv verschlechtert hatte. Für seinen Einsatz erhielt er zwar Anerkennung, aber sein Name war unweigerlich mit der Schmach vom Hindukusch und den chaotischen Szenen am Flughafen von Kabul verbunden.

Donahue ist bei weitem nicht der einzige hochdekorierte amerikanische Militär, der den Hut nehmen muss. Hegseth hat sich das Motto «weniger Generäle, mehr Soldaten» gesetzt und treibt diesen Umbau systematisch voran. Gemäss dem Magazin «The Atlantic» sind von den rund sechzig Drei- oder Viersternegenerälen der amerikanischen Armee kürzlich bereits sechs unerwartet ausgeschieden. Donahue sei nur das jüngste Opfer von Hegseths Säuberungswelle.

Seine Funktion wird nun interimistisch von Generalmajor Christopher Norrie übernommen. Offen ist allerdings, ob mit dem Personalwechsel nun auch eine Rückstufung von einem Viersterne- auf ein Dreisternekommando einhergeht. Die Frage dürfte im Rahmen der «umfassenden Überprüfung» der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa geklärt werden, die Hegseth jüngst beim Nato-Ministertreffen in Brüssel angekündigt hat. Spätestens in einem halben Jahr soll diese abgeschlossen sein.

Der amerikanische Verteidigungsminister wollte beim Nato-Treffen explizit, dass die Kameras angeschaltet bleiben, als er gegen «Trittbrettfahrer» wetterte. Sein Furor reiht sich in weitere amerikanische Ankündigungen ein.

Jede Woche wählt unsere Redaktion ein geschichtsträchtiges Foto aus. Diese Woche: Kabul, August 2021.

Der Westen hat sich mit einer liberalen Weltordnung überhoben. Die Werte des Westens werden auf absehbare Zeit nur hier gelten.