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Grosse Resignation in der iranischen Protestbewegung: «Es war eine Wette, und wir haben sie verloren»

Grosse Resignation in der iranischen Protestbewegung: «Es war eine Wette, und wir haben sie verloren»

Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte den iranischen Bürgern Hilfe versprochen. Doch das alte Regime hat den Krieg überlebt. Viele Iraner ziehen sich deshalb ins Private zurück. Aber auch Regimeanhänger sind teilweise enttäuscht.

In Iran ist die Verunsicherung sowohl unter Gegnern als auch unter Anhängern des Regimes zu spüren. Während die einen es kaum fassen können, dass Trump die Islamische Republik durch die Verhandlungen legitimiert und möglicherweise bald durch Wiederaufbauhilfe in Höhe von Hunderten Milliarden belohnt, sehen es die Hardliner im System als ehrenrührig, mit dem «grossen Satan» überhaupt Gespräche zu führen.

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Unter iranischen Regimeanhängern brodelt es. Die Frage, die derzeit viele von ihnen umtreibt: Unterstützt Mojtaba Khamenei, der neue Oberste Führer in Iran und Sohn des getöteten Ali Khamenei, wirklich die derzeitigen Verhandlungen mit den USA?

Khamenei selbst ist seit seiner Ernennung im März kein einziges Mal öffentlich aufgetreten, auch über seinen Gesundheitszustand ist nichts Näheres bekannt. Gerüchte entstehen daher schnell und lassen sich nur schwer wieder beseitigen. Ein im Staatsfernsehen verlesenes Statement Khameneis vom 18. Juni hätte eigentlich Klarheit schaffen sollen: Darin sagte Khamenei, er vertrete zwar «eine andere Meinung» zu dem vorläufigen Abkommen, habe aber letztlich zugestimmt, nachdem Präsident Masud Pezeshkian und andere Amtsträger ihm zugesichert hätten, «die Rechte der iranischen Nation und der Widerstandsfront» zu wahren.

Aber auch Khameneis Statement konnte die Zweifel nicht aus dem Weg räumen. Im Gegenteil: Am 20. Juni enthüllte der ultrakonservative Parlamentarier Mahmud Nabavian in einer Live-Sendung des Staatsfernsehens vertrauliche Mitteilungen von Khamenei, in denen sich dieser angeblich gegen die Verhandlungen unter den derzeitigen Umständen aussprach. Der Staatssender unterbrach umgehend die Sendung, gegen Nabavian läuft nun ein Gerichtsverfahren.

Der Fall macht die sich verschärfenden Risse innerhalb des Regimes deutlich. Immer häufiger geht das Regime gegen Teile seiner eigenen Anhängerschaft vor. Betroffen sind dabei ausgerechnet die glühendsten Unterstützer des Regimes, die seit Beginn des Krieges ihre Mitbürger durch freiwillige Checkpoints terrorisierten.

Mahsa Naderi, eine junge Buchhalterin aus Teheran, bemerkt die Spannungen auch an ihrem Arbeitsplatz, wie sie der NZZ über Sprachnachrichten berichtet. Einige ihrer Kollegen sind in der «Basidsch» aktiv, der gefürchteten Freiwilligenmiliz der Revolutionswächter. «Diese Leute sind wegen des Deals mit den USA in Aufruhr», sagt Naderi. «Manche glauben sogar, Präsident Pezeshkian habe Khamenei in Geiselhaft genommen – warum sonst sollte er mit den Mördern seines Vaters einen Deal eingehen?»

Naderi, die aus Sicherheitsgründen ihren wahren Namen nicht nennen möchte, gehört der regimekritischen Mehrheit der iranischen Gesellschaft an. Sie hat an den Massenprotesten im Januar teilgenommen und wurde dabei durch die Bleigeschosse der Sicherheitskräfte schwer verletzt. Es ist dieser Teil der iranischen Gesellschaft, dem Trump Anfang Januar noch «Hilfe» versprochen hatte.

Doch in den laufenden Verhandlungen wird die iranische Bevölkerung mit keinem Wort erwähnt. Ihr bleibt – im Gegensatz zu den enttäuschten Regimeanhängern – nicht einmal mehr die Wut, um auf die aktuellen Ereignisse zu reagieren. Denn Wut setzt verlässliche Fakten voraus, über die man sich aufregen kann. «Einmal droht Trump, uns auszulöschen, dann verspricht er uns 300 Milliarden. Morgens verhandeln wir, abends ist die Meerenge wieder zu – ich bin in den letzten Monaten verrückt geworden», schreibt ein junger Iraner der NZZ, der zu Beginn des Krieges noch auf einen Regimewechsel gehofft hatte.

Die Folge dieser Verunsicherung ist bei vielen Menschen ein Rückzug ins Private. Wer in den sozialen Netzwerken zuvor noch Khamenei den Tod wünschte oder Reden des im Exil lebenden Oppositionspolitikers Reza Pahlavi teilte, fragt jetzt nach dem besten Spielcafé in der Stadt oder teilt Fotos vom letzten Wochenendpicknick. «Die grossen Nachrichten lassen mich plötzlich kalt. Dabei war ich ein politischer Mensch. Unsere heissen Themen in Iran sind jetzt der Preis von Reis und Hühnchen», sagt die Buchhalterin Naderi. Ein Sandwich koste nach dem Krieg umgerechnet 3 Franken. Sie verdiene aber weniger als 200 im Monat.

Anfang des Jahres hatte auch sie Hoffnung in Reza Pahlavi gesetzt, der sich unter anderem für den Krieg starkgemacht hatte. Jetzt glaubt Naderi nicht mehr an eine Rettung von aussen. «Es war eine Wette, und wir haben sie verloren.» So wie Naderi geht es gerade vielen Iranern: Ein fatalistisches Achselzucken scheint ihnen die einzige noch angemessene Reaktion auf die Zumutungen der grossen Politik zu sein. Persischsprachige Nachrichtenportale verzeichnen kaum noch Klicks. Die einzigen politischen Inhalte, die in den sozialen Netzwerken noch Aufmerksamkeit bekommen, sind Beiträge zu Ehren der getöteten Demonstranten im Januar. Sie werden trotz aller Resignation noch immer millionenfach geteilt.

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