Rüdiswil BEJosh verlor 3 Liter Blut – heute ruft er zum Spenden auf5022048
Von einem Moment auf den anderen veränderte sich das Leben von Josh (35) um 180 Grad. Mitte Juni 2024 erlitt der Rüdiswiler aus dem Kanton Bern einen Arbeitsunfall: «Ich arbeitete auf einer Baustelle, wobei sich ein Stahlträger löste und ich vier Meter zu Boden flog», erzählt er.
Der Strahlträger flog ebenfalls und landete auf seinem linken Bein. «Auf dem Boden rührte ich mich kaum – ich sah, wie ich Blut verlor, und wusste, wenn ich mich bewege, wird es kritisch», so Josh.
Im Spital versuchte man, sein Bein zu retten: «Aus meinem Rückenmuskel formten die Ärzte Weichteile und entnahmen Knochen aus meinem Becken.» Josh verbrachte 31 Tage im Spital und überstand sieben Operationen in Vollnarkose. «Ich habe jeweils ein bis zwei Sätze geredet und bin dann wieder eingeschlafen», sagt er.
Die Knochen wuchsen jedoch nicht zusammen. «Ende November 2024 entschied ich mich, mein Bein zu amputieren», sagt Josh. Seitdem lebt er mit einer Beinprothese. «Der Anfang war hart – ich konnte nicht mehr auf der Baustelle arbeiten, was für mich unvorstellbar war», so der 35-Jährige. Der ehemalige Bauarbeiter ist nun seit knapp einem Jahr CAD-Planer und zeichnet Pläne für Baustellen.
Heute gehe es Josh besser: «Ich habe gelernt, das Leben in all seinen Facetten zu schätzen, und bin richtig motiviert, mein Leben zu leben.» Er habe die Hoffnung nie verloren. Kraft gab ihm neben seiner Frau auch sein spanischer Strassenmischling Odin (8), ein ständiger Begleiter. «Er bedeutet mir extrem viel, wir gehen zusammen laufen, wandern und Velo fahren», sagt Josh.
Neben Frau und Hund unterstützten ihn auch Blutspender. «Während des Unfalls und im Spital verlor ich drei Liter Blut», so Josh. Der 35-Jährige war auf Blutspender angewiesen und betont: «Ohne deren Blut wäre ich jetzt nicht mehr am Leben – ihnen habe ich mein Leben zu verdanken.»
Seit diesem Februar haben sich die Bestimmungen zum Blutspenden geändert: Auch Menschen, die bereits einmal Blut erhalten haben, dürfen spenden. Im März und vergangenen Donnerstag ging Josh in die Zentrale, um sich Blut entnehmen zu lassen. «Das ist für mich kein Zurückgeben, sondern Selbstverständlichkeit.»
Laut Josh fehle jedoch eine Menge an Blut. «Eine Blutspende ist ein kleiner Schritt, aber bewirkt so viel und kann Menschenleben retten», sagt er. Er ermutigt: «Die Räume sind klimatisiert, es gibt Essen und Getränke – und somit keinen Grund, warum man auch an Hitzetagen wie aktuell nicht Blutspenden sollte.»
Adrian Fluri, Kommunikationssprecher der interregionalen Blutspende SRK, bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass das Blut aktuell knapp sei. «Vor allem bei den Blutgruppen 0 negativ, A negativ und B negativ haben wir einen kritischen Bestand – der Lagerbestand reicht momentan noch für die nächsten vier Tage.»
Dies erklärt sich Fluri folgendermassen: «Aufgrund der aktuellen Hitzewelle ist die Spendebereitschaft eingebrochen, viele denken eher an die nächste Abkühlung im Wasser als ans Blutspenden», sagt er.
«Blutspenden kennt keine Sommerferien, der Bedarf in den Spitälern bleibt unverändert hoch», so Fluri. Die Interregionale Blutspende ruft deshalb dazu auf, noch vor den Ferien Blut zu spenden. «Als Dankeschön erhalten die Spenderinnen und Spender neben der kostenlosen Verpflegung auch ein gratis Glacé.»
Grundvoraussetzungen für die Spende sind das Erreichen des 18. Lebensjahres, ein Körpergewicht von 50 Kilo und eine gute Gesundheit. Auf der Website der interregionalen Blutspende können Termine vereinbart werden.
Fabienne Gnos (fgn), Jahrgang 2002, arbeitet seit Februar 2026 bei 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Bern.