PODCAST «NZZ GEOPOLITIK» - Iran-Gespräche: Nur das Regime in Teheran frohlockt über Trumps Scheinsieg
Die USA und Iran haben sich bei den Verhandlungen in der Schweiz auf ein endgültiges Abkommen innerhalb von 60 Tagen geeinigt. Der Iran-Experte Simon Wolfgang Fuchs analysiert im Podcast, warum die USA fast alle ihre Kriegsziele verfehlt haben und das Regime in Teheran als heimlicher Sieger aus dem Krieg hervorgeht.
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Ein prunkvolles Dinner im Schloss Versailles, viel Applaus und Trumps dicker Filzstift: Die Inszenierung der neuen Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran hätte nicht opulenter sein können. Doch hinter der glänzenden Fassade verbirgt sich eine andere Realität: Trotz massiven Luftangriffen und einer desolaten Wirtschaftslage hat das iranische Regime nicht nur überlebt, sondern kann nun massgeblich die Punkte des Rahmenabkommens mitgestalten. Trump, von Kriegsmüdigkeit getrieben, will vor allem eines: schnellstmöglich raus aus dem Konflikt.
Besonders schwer wiegt das Abkommen für den engsten Verbündeten der USA. Israel wird in dem Dokument mit keinem Wort erwähnt; Ministerpräsident Benjamin Netanyahu soll laut Berichten «stinksauer» sein. Iran hat es geschafft, einen tiefen Keil zwischen Washington und Jerusalem zu treiben, und verhandelt nun sogar offiziell mit den USA über die Zukunft Libanons, während Israel aussen vor bleibt. Der Iran-Experte Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität Jerusalem zieht in der neuen Folge von «NZZ Geopolitik» eine ernüchternde Bilanz: «Iran hat es geschafft, ursprüngliche amerikanische Pläne komplett auszuhebeln.»
Gleichzeitig profitiert Teheran von massiven wirtschaftlichen Zugeständnissen: von der Freigabe eingefrorener Vermögenswerte bis hin zu neuen Milliardenfonds für den Wiederaufbau, während heikle Fragen wie das iranische Atomprogramm vertagt wurden. Auch die Drohung einer amerikanischen Militärintervention ist damit wohl endgültig vom Tisch. Simon Wolfgang Fuchs sieht darin eine Zäsur für die Region: «Wir sehen in gewisser Weise den Anfang vom Ende der amerikanischen Dominanz im Nahen Osten.»
Alle Episoden von «NZZ Geopolitik» finden Sie in dieser Übersicht.
Hoch über dem Vierwaldstättersee verhandeln Spitzenvertreter der USA und Irans direkt miteinander. Das sorgsam inszenierte Treffen soll das immense Konfliktpotenzial entschärfen. Angesichts unberechenbarer Akteure steht der Dialog auf Messers Schneide.
Geldeinnahmen durch den ungehinderten Verkauf von Öl und durch einen Milliardenfonds zum Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg werden die Hardliner stützen, die nun in Teheran das Sagen haben. Sie seien keine religiösen Ideologen mehr, sondern eiskalte Technokraten, sagt ein Iran-Kenner.
Der amerikanische Präsident wollte Geschichte schreiben: das Regime in Teheran stürzen oder zumindest sein Atom- und Raketenprogramm sowie die Unterstützung für ausländische Milizen stoppen. Nun endet der Krieg vorerst in einer vagen Einigung.
Die USA und Israel führen einen Luftkrieg gegen Iran – doch was ist das strategische Ziel? Geht es um die Zerstörung des Atomprogramms oder doch um Regime-Change in Teheran? Der Iran-Experte Simon Wolfgang Fuchs analysiert die Motive Washingtons und Jerusalems sowie die Dynamik innerhalb der iranischen Machtstrukturen.