Extreme Temperaturen«Kein Platz mehr für unsere Toten» – Hitze bringt Paris ans Limit53222
«Die Bestattungsinstitute sind überlastet, und wir finden keinen Platz mehr für unsere Verstorbenen. Es ist sehr schwierig», sagte Fabien Hugues, Leiter des Bestattungsunternehmens Family Obsèques, dem Sender BFMTV. Nach mehreren Tagen extremer Hitze sei es in der französischen Hauptstadtregion Île-de-France zu einem sprunghaften Anstieg der Sterbefälle gekommen.
Wie «Paris Match» berichtet, sind die Leichenhallen in Paris vollständig ausgelastet. Auch in anderen Départements sei die Lage ähnlich angespannt. Hugues bestätigte, er müsse inzwischen in anderen Regionen nach freien Kapazitäten suchen. Zudem hätten sich die Wartezeiten in den Krematorien verlängert: Bereits geplante Einäscherungen werden verschoben. Für die Angehörigen sei die Situation besonders belastend, sagte er.
Nach der historischen Hitzewelle, bei der die Temperaturen in mehreren Regionen Frankreichs über eine Woche lang die Marke von 40 Grad überschritten, beginnt das Land nun, das Ausmass der Folgen zu erfassen. Mehrere Gesundheitsquellen sprechen von einer hohen Zahl hitzebedingter Todesfälle. Offizielle Angaben dazu gibt es bislang nicht. Die Regierung bestätigte am Samstagabend lediglich 74 Ertrinkungstote innerhalb weniger Tage.
Auch in den Spitälern ist die Belastung gross. Das medizinische Personal meldet zahlreiche hitzebedingte Notfälle, darunter Herzinfarkte, Hitzschläge und schwere Dehydrierungen.
In Paris aktivierte der öffentliche Spitalverbund AP-HP seinen Notfallplan für alle 38 Kliniken. Damit reagiere man auf die anhaltend hohe Belastung, teilte die Behörde am Freitagabend mit. Innerhalb von 24 Stunden seien in den Notaufnahmen fast 3000 Patientinnen und Patienten behandelt worden – mehr als ein Drittel über dem üblichen Niveau. Ein grosser Teil der Betroffenen sei älter als 75 Jahre gewesen und habe stationär aufgenommen werden müssen.
Auch die medizinischen Leitstellen verzeichneten einen starken Anstieg der Anrufe. Deren Zahl lag laut AP-HP im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 80 Prozent höher.
Für rund drei Viertel Frankreichs galt am Donnerstag und Freitag die höchste Hitzewarnstufe. In mehreren Regionen, darunter auch Paris, kletterten die Temperaturen auf über 40 Grad. Bereits am Mittwoch hatte Frankreich den heissesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erlebt.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.