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WM 2026Norwegische Wikinger«Sexy und maximal männlich»: Dieses Ritual begeistert Millionen14962782

WM 2026Norwegische Wikinger«Sexy und maximal männlich»: Dieses Ritual begeistert Millionen14962782

Während oft über toxische Männlichkeit, Einsamkeit junger Männer oder die «Krise der Männlichkeit» gesprochen wird, zeigen Fussballfans, Fanmärsche, Chöre oder Sportvereine bei der WM in den USA etwas anderes: Gemeinschaft.

Genau das demonstrieren derzeit tausende norwegische Fans. Spieler und Anhänger rudern gemeinsam imaginäre Wikingerschiffe, singen lautstark und feiern ihre Mannschaft mit einem Ritual, das längst zum Markenzeichen geworden ist. Ob angeführt von Norwegens Stürmerstar Erling Haaland nach dem Spiel, am vollen Times Square, im norwegischen Parlament oder sogar im Seniorenheim – überall machen Menschen die sogenannte Row mit.

Zahlreiche Videos davon begeistern derzeit das Internet. In den Kommentaren schreiben Nutzerinnen und Nutzer: «Die Wikinger sind da», «Sexy und maximal männlich», «Die kreativste Choreografie in der Geschichte der WM», «So sieht es aus, wenn man stolz auf seine Vorfahren ist» oder «Das ist etwas Spirituelles – mir egal, was ihr sagt.»

Doch hinter dem Spektakel steckt mehr als bloss Fussballbegeisterung: «Gruppenrituale faszinieren», sagt Sozialpsychologe Pascal Wagner. Der Grund sei einfach: «Wir sind eine soziale Spezies.» Eine besondere Rolle spielen dabei Rituale. Sie helfen laut Wagner dabei, Zugehörigkeit zu schaffen und aufrechtzuerhalten. In vielen Gemeinschaften seien Rituale sogar der Weg, um überhaupt Teil einer Gruppe zu werden.

Bei Fussballfans zeigt sich das besonders deutlich. Fahnen werden vorbereitet, Choreografien geplant und Gesänge einstudiert. Das gemeinsame Erlebnis stehe dabei oft im Mittelpunkt. «Gruppenzugehörigkeit erfüllt nicht nur soziale, sondern auch psychologische Bedürfnisse», sagt Wagner. Wer Teil einer Gruppe sei, fühle sich weniger allein und könne auf Unterstützung zählen. Gruppen würden Menschen Halt, Sicherheit und das Gefühl geben, dazuzugehören.

Auch in der 20-Minuten-Community kommt das Ritual gut an. «Mega sympathisch, männlich weiss ich jetzt nicht», sagt Hannah (24). Ladina (25) findet: «Coole Idee und gehört doch irgendwie zu Norwegen. Hat einen Wiedererkennungswert.»

Lars (29) sagt, Norwegens Ritual zeige Nationalstolz und sei «eine schöne Geste». Seine Freundin Assunta (32) habe davon zwar noch nie gehört, finde es aber ebenfalls positiv.

Für Joel (16) ist klar: «Ich finde es geil. Es passt einfach zu ihnen.» Simon (18) ergänzt: «Schon auch sehr männlich, weil Wikinger an sich mir dieses Gefühl vermitteln.» Gleichzeitig fände er es spannend, wenn auch die Schweiz ein ähnliches Erkennungsmerkmal hätte.

Ob Gruppenzugehörigkeit für Männer grundsätzlich wichtiger ist als für Frauen, lasse sich laut Wagner nicht eindeutig sagen. Dennoch könnte es sein, dass Gemeinschaften und Rituale für manche Männer gerade heute an Bedeutung gewinnen. «Denn Männlichkeit wird zunehmend kritisiert», sagt Wagner. Diese Kritik sei in vielen Punkten berechtigt und notwendig, da gesellschaftliche Ungleichheiten weiterhin existierten.

Gleichzeitig gebe es Hinweise darauf, dass einige junge Männer heute konservativere Einstellungen vertreten als frühere Generationen. In sozialen Medien erreichten Inhalte rund um traditionelle oder sogenannte Alpha-Männlichkeit grosse Aufmerksamkeit.

Eine mögliche Erklärung sei, dass manche Männer das Gefühl hätten, pauschal kritisiert zu werden. Menschen hätten ein grundlegendes Bedürfnis nach einer positiven sozialen Identität. Wenn diese Identität als bedroht wahrgenommen werde, könnten Gemeinschaften und Gruppenzugehörigkeiten an Bedeutung gewinnen.

Genau deshalb seien Fanrituale wie das norwegische Wikingerschiff weit mehr als eine lustige Stadionaktion. «Sie zeigen, wie wichtig Zugehörigkeit, Gemeinschaft und soziale Identität für Menschen bleiben – auch in einer zunehmend individualisierten Welt», so Wagner weiter.

Was denkst du über das Wikinger-Ritual der norwegischen Fans?

So positiv soziale Bindungen sein können, sie haben laut Wagner aber auch eine Kehrseite. Menschen neigen dazu, die eigene Gruppe positiver zu bewerten als andere Gruppen. Sozialpsychologen sprechen von «Outgroup-Derogation», also Abwertung der Fremdgruppe.

Je stärker sich Menschen mit ihrer Gruppe identifizieren, desto grösser könne die Gefahr werden, andere Gruppen abzuwerten. Das gelte für Fussballfans genauso wie für politische, religiöse oder gesellschaftliche Gruppen.

Bist du Norwegerin oder Norweger und hast eine Meinung dazu? Egal, ob du das toll findest oder ob du gar kein Fan davon bist, dass das Rudern um die Welt geht. Schreib es uns unten ins Formular.

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.