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Schwinger gehen ans Limit: Schlegel und Ott liefern sich hitziges Kart-Duell

Schwinger gehen ans Limit: Schlegel und Ott liefern sich hitziges Kart-Duell

Die Motoren schweigen noch. Damian Ott und Werner Schlegel stehen vor einer Anzeigetafel und studieren die Bestzeiten. Lange dauert die Ruhe nicht. «Mein Name steht am Ende des Tages über deinem», sagt Schlegel.

Ott winkt ab. «Ich bin vor eineinhalb Jahren schon einmal hier gefahren. Das macht mich natürlich zum Favoriten.» Wenig später setzt er lachend noch einen drauf: «Ich habe die Strecke visualisiert und bin deshalb so was von bereit.»

Die beiden befinden sich auf einer Kartbahn in Sulgen TG. Vor dem Nordostschweizer Schwingfest am Sonntag tauschen sie das Sägemehl für einmal gegen Asphalt. An ihrem gewaltigen Ehrgeiz ändert das nichts.

Bei der Wahl der Karts wird ganz genau hingeschaut. Keiner will dem anderen einen Vorteil schenken. Wenige Minuten später stehen die beiden an der Startlinie. Die Helme sitzen, die Hände umklammern das Lenkrad. «Start-Ziel-Sieg», ruft Schlegel seinem Freund noch zu.

Wenige Sekunden später liegt er hinten. Als die grüne Flagge geschwenkt wird, schiesst Ott davon. Der Kilchberger-Sieger erwischt den deutlich besseren Start und setzt sich an die Spitze. Schlegel bleibt nur die Verfolgerrolle.

Runde um Runde sucht Schlegel nach einer Lücke. Doch Ott verteidigt clever. Mal schliesst er die Innenbahn, mal bleibt er auf der Ideallinie. «Ich musste immer schauen, wo Werner angreifen will», sagt Ott später.

Lange scheint sein Plan aufzugehen. Bis er in einer Kurve etwas zu weit nach aussen getragen wird. Die Lücke ist klein. Für Schlegel reicht sie. Der Toggenburger sticht hinein, drückt sich auf der Innenbahn vorbei und übernimmt die Führung.

Kaum ist das Manöver gelungen, ballt Schlegel die Faust. Dann dreht er den Kopf und schaut triumphierend zurück zu seinem Freund. Ott verwirft die Arme. «Das war schon sehr frech», sagt er später lachend. «Aber ich habe ihm zu viel Platz gelassen – mein Fehler.» So läuft es zwischen den beiden seit Jahren. Einer legt vor, der andere versucht nachzuziehen.

Kennengelernt haben sich die beiden wenig überraschend im Schwingen. Richtig näher kamen sie sich allerdings erst als Teenager im Training der Toggenburger. «Dort waren viele Schwinger zehn Jahre älter als wir», erinnert sich Ott.

So standen sie regelmässig Grössen wie Unspunnen-Sieger Daniel Bösch gegenüber. «Da hatten wir natürlich keine Chance.» Umso häufiger duellierten sich die beiden miteinander. «Wir konnten gemeinsam wachsen. Wenn ich etwas Neues ausprobierte, entwickelte Werner eine Verteidigung dazu. Und umgekehrt.»

Aus den Trainingsduellen entstand eine enge Freundschaft. Mittlerweile teilen sich die beiden vor Schwingfesten sogar das Zimmer. In diesem Bereich zeigt sich schnell, dass sie nicht in allem gleich ticken. «Werner schläft nach fünf Minuten ein», erzählt Ott. «Ich brauche etwas länger.» Schlegel ergänzt: «Und am Morgen komme ich schneller aus dem Bett.»

Ihre Freundschaft geht mittlerweile weit über den Schwingsport hinaus. Besonders in Erinnerung geblieben ist Ott eine Wanderung auf den Säntis. Um vier Uhr morgens liefen die beiden auf der Alp von Schlegel los. Stunden später standen sie auf dem Gipfel. «Das war etwas ganz Spezielles», sagt der Kilchberger-Sieger.

Es ist kein Zufall, dass sie sich auch abseits des Sägemehls bestens verstehen. Beide wuchsen ländlich auf. Beide standen schon als Kind im Sägemehl. Und beide erlernten den Beruf des Zimmermanns. Mittlerweile arbeitet Schlegel als Landwirt. Ott ist der Holzbranche treu geblieben, wechselte allerdings von der Baustelle ins Büro.

Auf dem Asphalt bringt ihm das nichts. Während Schlegel vorneweg fährt, versucht Ott nochmals Druck zu machen. Der Verantwortliche der Kartbahn verfolgt das Duell mit Interesse. «Sie machen das wirklich gut», lobt er. Ott kommt zum Schluss noch einmal näher, findet aber keinen Weg vorbei.

Schlegel fährt als Erster über die Ziellinie. Der Streckenrekord von 33,7 Sekunden bleibt zwar unangetastet, das interessiert den Sieger aber herzlich wenig. «Hauptsache, ich habe Damian geschlagen», sagt Schlegel und fügt grinsend an: «Zwei, drei Trainings wird er sich das jetzt anhören müssen.»

Auf der Kartbahn hat Schlegel die Nase vorne. Am Sonntag beginnt allerdings alles wieder bei null. Das Nordostschweizer Teilverbandsfest wollen beide gewinnen. Dafür müssen Schlegel und Ott allerdings zuerst einen anderen bremsen – den Berner Gast Fabian Staudenmann. Vielleicht kommt es danach wieder zum direkten Duell der beiden Freunde. Ob sich Ott im Sägemehl für die Kart-Niederlage revanchieren kann?