Kleinstes Land in K.o.-Phase: Sensationsteam Kap Verde lässt diverse WM-Rekorde wanken
Die Kapverden schreiben in Nordamerika ein Fussballmärchen. Mit drei Unentschieden haben sich die Afrikaner in der Gruppe mit Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien Platz zwei gesichert. Und das, obwohl der grösste Star des Teams, Logan Costa von Villarreal, wegen eines Kreuzbandrisses aus dem Juli 2025 noch gar nicht mittun konnte.
Der Lohn: ein Sechzehntelfinal gegen Lionel Messis Argentinien (Freitagnacht um 0 Uhr Schweizer Zeit).
Vor dem Turnier rechnete kaum jemand mit dem WM-Neuling. Noch nie hat sich ein kleineres Land für die K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft qualifiziert. Nur gerade 593'000 Menschen leben auf der Inselgruppe vor der afrikanischen Westküste. Hinter Curaçao mit rund 158'000 Einwohnern in diesem Jahr und Island 2018 (357'000) ist man das drittkleinste Land, das jemals an einer WM dabei war.
Beachtet man auch die Aufstockung der WM über die Zeit, hat eigentlich Island die Nase noch vorn. Denn bis jetzt stehen die Kapverden erst unter den besten 32 – wie die Isländer, die vor acht Jahren in der Gruppenphase scheiterten.
Dass auch bevölkerungsarme Länder bei Weltmeisterschaften erfolgreich sein können, haben diverse Teams schon bewiesen. Kroatien hatte bei den Podestplätzen 2018 und 2022 (2. und 3.) rund 4,1 Millionen respektive 4,9 Millionen Einwohner. Noch extremer war Uruguay, das 1930 mit 1,875 Millionen und 1950 mit 2,2 Millionen Menschen sogar den Titel geholt hat. Auch 1954, 1970 und 2010 schafften es die Südamerikaner unter die besten Vier. Auch die Leistung von Nordirland, das es 1982 mit gut 1,5 Millionen Einwohnern in die Zwischenrunde der besten 12 geschafft hat, ist bemerkenswert.
Sollte gegen Argentinien die nächste Sensation gelingen, würde Kap Verde den Rekord für die Achtelfinals brechen, für die Top-16-Bestmarke von Nordirland (1982) wären aber noch zwei Siege nötig.
Die Hoffnung auf noch grössere Sternstunden beruht auf dem Prunkstück der Blauen Haie vom Atlantik: der Defensive. In der Gruppenphase blieb das Team gegen Spanien und Saudi-Arabien ohne Gegentor, einzig gegen Uruguay gab es zwei Gegentore. Auch in der Quali kassierte man in zehn Spielen nur fünf Gegentreffer. Am Afrika-Cup 2024 scheiterte die Mannschaft von Trainer Bubista (56), der das Team seit 2020 betreut, erst im Viertelfinal nach Penaltyschiessen an Südafrika. In fünf Spielen kassierte man drei Gegentore.
So sind es auch die Defensivspieler, die aus dem starken Kollektiv herausstechen. Innenverteidiger Logan Costa (Villarreal; 15 Millionen Euro), die Aussenverteidiger Wagner Pina (Trabzonspor; 11 Millionen) und Sidny Lopes Cabral (Benfica; 4 Millionen) und der defensive Mittelfeldmann Kevin Lenini Pina (Krasnodar; 5 Millionen) sind die laut Transfermarkt wertvollsten Akteure im Kader.
In der WM-Vorbereitung absolvierte Costa zwei Testspiele. Sollte er am Freitag auf den Platz zurückkehren, dürften die Kapverdier erst recht vom Sieg gegen die Titelverteidiger träumen.
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