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Für Content Creators gibts neu einen eidgenössischen Fachausweis: Schluss mit Wildwuchs

Für Content Creators gibts neu einen eidgenössischen Fachausweis: Schluss mit Wildwuchs

Unzählige Influencer posten Videoinhalte, Firmen aller Branchen produzieren für den internen wie externen Gebrauch immer mehr Video-Content. Eine Flut, in der nicht nur das Publikum oft den Überblick verliert, sondern auch Arbeitgeber, die geeignetes Fachpersonal suchen. «In der Kommunikationsindustrie herrscht Wildwuchs», sagt Stefan Bircher (50), Gründungspartner der Filmproduktionsfirma Shining Film AG. «Es fehlen geschützte Titel.»

Auch Michel Alraun (46), Eigentümer der Maybaum Film AG, sagt: «Die Herstellung von Multimedia-Content ist ein Wachstumsmarkt. Jeder macht es – manche sind top, andere Flop. Bisher fehlte ein Branchenstandard, an dem sich alle orientieren.» Alraun und Bircher haben sich im Vorstand der Swissfilm Association, des Verbands der Schweizer Auftragsfilmer, kennengelernt. Gemeinsam haben sie nun den neuen eidgenössischen Fachausweis Multimedia Content Creator entwickelt – in Kooperation mit ICT-Berufsbildung Schweiz und mit dem Segen des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Wer den neuen Abschluss erwerbe, beweise damit, dass er imstande sei, in Personalunion audiovisuelle Inhalte herzustellen – von der Idee über die filmische Umsetzung bis zur Postproduktion, sagt Alraun. Im Juli wird die erste Prüfung ausgeschrieben. Zugelassen wird, wer bereits über einen Abschluss in einem verwandten Beruf wie beispielsweise Mediamatiker oder Grafiker verfügt – oder zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann. «Besonders wichtig ist uns, dass auch Quereinsteiger die Möglichkeit haben, die Prüfung abzulegen – denn in diesem Bereich gibt es sehr viele Autodidakten», so Alraun.

Geprüft werden die Bewerber praktisch und mündlich – von namhaften Experten wie beispielsweise Philipp Skrabal, Werber des Jahres 2025. In der Prüfung würden unter anderem auch rechtliche Fragen thematisiert, sagt Alraun: «Die Kandidaten müssen wissen, dass man nicht einfach eine Drohne über eine Menschenansammlung fliegen lassen darf. Und sie wissen, wo man die Bewilligungen für einen Dreh einholt.»

Die beiden Initianten erwarten, dass der neue Fachausweis zu einer Steigerung des Know-how führen wird. Bircher: «Agenturen, Kommunikationsabteilungen von Grossunternehmen, KMU, Medienhäuser – alle haben einen wachsenden Bedarf an solide ausgebildeten Leuten, die professionellen Content erstellen können.»

Wer im Januar 2027 die erste Prüfung für den neuen Berufstitel ablegt, kann bei verschiedenen privaten Bildungsanbietern vorbereitende Kurse besuchen – muss aber nicht. Gerade günstig sind die Kurse nicht: Zu rechnen ist mit Kosten von 15’000 bis 20’000 Franken, hinzu kommt eine Prüfungsgebühr von 2800 Franken. «Wir gehen davon aus, dass viele Arbeitgeber sich an den Kosten beteiligen oder sie ganz übernehmen werden», sagt Bircher. Wer vorbereitende Kurse besucht und die Prüfung tatsächlich absolviert, kann zudem beim Bund die Übernahme der Hälfte des Betrags beantragen.

Wie es beim SBFI auf Anfrage heisst, entstand in den letzten Jahren jeweils eine neue eidgenössische Fachprüfung – insgesamt gibt es davon über 400. Während neue Berufstitel geschaffen werden, verschwinden andere, weil es seit langem niemanden mehr gibt, der die betreffende Prüfung ablegt. Seit 2024 wurden laut SBFI 18 Abschlüsse aufgehoben – darunter etwa die höheren Fachprüfungen für Steinmetzmeister und Siebdruckermeister. Und auch der Wohntextilgestalter mit eidgenössischem Fachausweis ist kürzlich ausgestorben.