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Gelateria di Berna: Von der Garage zur angesagtesten Glace-Kette der Schweiz

Gelateria di Berna: Von der Garage zur angesagtesten Glace-Kette der Schweiz

Ein heisser Sommermittag im Länggass-Quartier. Der bisher heisseste aufgezeichnete Junitag in Bern. Die Schlange vor der alten umgebauten Garage zieht sich bis um die Strassenecke. Ein Gemurmel aus Lachen, Kindergeschrei und Klappern von Eisportionierern liegt in der Luft. Hinter der Theke steht Hansmartin Amrein, 54, mit einem herzlichen Lachen auf den Lippen. Er reicht gerade zwei Kugeln über den Tresen, als ein junger Mann nervös in seinen Hosentaschen kramt. Fünfzig Rappen zu wenig. Er läuft rot an. Hansmartin winkt sofort ab, lächelt und sagt im unverkennbaren Berner Dialekt: «Eh chum, isch scho guet, gäu! Gniess es.»

«Glace muss für alle da sein. Besonders für Familien.» Das ist das Credo der Amrein-Brüder. Trotz des riesigen Erfolgs ist die Bodenhaftung geblieben. Hier zählt nicht nur der Umsatz.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Um zu verstehen, wie in einer alten Berner Garage das wohl bekannteste Glace-Imperium der Schweiz entstand, muss man das Rad der Zeit zurückdrehen. Die Amreins wuchsen zu fünft in einfachen Verhältnissen am Belpberg im Kanton Bern auf. Die Mutter war Kindergärtnerin, der Vater Student – grosse Sprünge lagen daher nicht drin. Doch es gab diese eine leuchtende Zeit im Jahr: die Zelt-Ferien in der Toskana. Einmal in der Woche gab es vom mühsam Ersparten das absolute Highlight: Glace für 1000 Lira. Ein magischer Moment.

«Eine Gelateria ist ein Ort der Begegnung: Man traut sich, eine untypische Glace zu bestellen, um einem Mädchen zu imponieren, oder geht Jahre später auf ein erstes Date in die Eisdiele», wie Hansmartin erzählt. Bruder David erinnert sich mit glänzenden Augen an diese prägende Zeit: «Schon als Kind war es unser Traum, eine eigene Gelateria zu haben.» Jahre später, so Hansmartin, sei es eine «glückliche Folge von Zufällen» gewesen, dass dieser Traum wahr wurde.Ursprünglich wollten die drei Brüder Hansmartin (54) , Michael, (42) und David (52), vor 16 Jahren nur Glacen im grossen Stil an Restaurants verkaufen. Doch als die Quartierbewohner vom Umbau der alten Garage erfuhren, standen sie plötzlich Schlange. Der Plan wurde über den Haufen geworfen – die Geburtsstunde der ersten echten Gelateria di Berna.

Mittlerweile zählt das Unternehmen 23 Standorte und beschäftigt rund 260 Mitarbeitende. Wie gross die Liebe der Kundschaft zu den italienischen Kreationen ist, zeigt sich besonders im Hochsommer: An den besten Verkaufstagen gehen beeindruckende 3000 Liter Glace über die Tresen der Verkaufsstellen.

«Wer neugierig ist, hat vielleicht nicht immer die besten Glacen, aber die interessantesten», sagt Hansmartin. Mit ausgefallenen, fast schon frechen Kreationen wie Ziegenmilch-Lorbeer, Grapefruit-Pfeffer oder Himbeer-Ingwer machte sich die Gelateria schnell einen Namen. Der absolute Verkaufsschlager bis heute: Mare di Berna (eine Haselnuss-Kreation) und das Himbeer-Ingwer-Eis.

Der Erfolg rief nach Verstärkung. 2013 stieg der heute 40-jährige Andy Käser mit ins Boot. Er hatte sich, wie er so schön sagt, unsterblich in den Laden verliebt. Fünf Jahre später findet auch ein vierter Amrein seine Rolle im Gelateria-di-Berna-Universum: Während Corona beschliesst Matthias, Vollblutvelofahrer, Gelati auf seinem Velo auszuliefern. Daraufhin entsteht das Netzwerk «Ciclisti di Berna», das seither jeden Mittwoch eine Velotour dreht – allerdings nicht mehr, um Glace auszuliefern, sondern um sich am Ende einer Tour ein Cornet oder einen Becher aus der Gelateria zu gönnen. Velotrikots, Socken und Velochäppli als Fanartikel gehören seither auch zum Sortiment.

Aus der einen Berner Garage ist längst ein florierendes Unternehmen geworden. Mittlerweile gibt es Glacen der Gelateria di Berna von Zürich über Basel, Lausanne bis hin ins Engadin. Trotz der Grösse bleibt die Philosophie strikt regional. Die Milchbasis für die cremigen Milchglacen wird im Berner Weyermannshaus hergestellt. Die Früchte und Zutaten wechseln je nach Region und Standort, um stets maximale Frische zu garantieren.

Während Hansmartin, David und Andy heute in Bern die Stellung halten, befindet sich einer der drei Brüder gerade in einem Sabbatical in Norwegen. Das ist kein Zufall, sondern quasi Weiterbildung im Urlaub. Denn Norwegen ist statistisch das Land, in dem europaweit am meisten Glace konsumiert wird – pro Kopf sogar noch deutlich mehr als im Mutterland des Gelato, Italien.

Und wo führt der Weg am Ende hin? Hansmartin hat einen ganz klaren, romantischen Traum für seinen Lebensabend: Er möchte zurück zu den Wurzeln, dorthin, wo mit den 1000 Lire alles begann. Nach Italien. Im besten Fall möchte er dort eine kleine, feine Gelateria eröffnen. Und sein absoluter Traumstandort? Direkt unter dem Balkon von Michelle Hunziker.

Man sieht es bildlich vor sich: Hansmartin, wie er der schönen Schweizer Moderatorin eine Kugel Gelato nach oben reicht. Bleibt zum Schluss eigentlich noch eine einzige, augenzwinkernde Frage offen, meint er: «Welches wohl Michelles Lieblingssorte wäre? Bestimmt etwas Prickelndes wie Grapefruit-Pfeffer – oder bleibt sie ganz klassisch beim Amore-Dauerbrenner Mare di Berna?»