Sechs Badeunfälle in wenigen Tagen: Die Hitzewelle lockt ins Wasser – diese Fehler können tödlich enden
Während die Gluthitze weite Teile Europas fest im Griff hat, suchen viele Menschen Abkühlung in Seen und Flüssen. Doch der Gang ins kühle Wasser endet nicht immer glimpflich. Allein diese Woche ereigneten sich in der Schweiz mindestens vier tödliche Badeunfälle.
Am Samstag verschwand ein fünfjähriger Bub in Mühlau an der Reuss AG. Er war zuvor mit seiner Familie in einem Schlauchboot unterwegs, als dieses kenterte. Am Dienstag fanden Helfer die Leiche des Buben. Nur einen Tag zuvor ging ein junger Mann (†22) bei der Zurlindeninsel auf der Aare schwimmen. Als er nicht mehr auftauchte, alarmierten Augenzeugen die Rettungskräfte. Der Mann konnte nur noch tot geborgen werden. Am Donnerstag starb zudem ein 29-jähriger Mann, der am Sonntag beim Schwimmen im Genfersee verunglückt war.
Mehrere Personen meldeten am Freitagabend, dass ein 35-jähriger Slowake beim Baden mit Kollegen in den Rhein ging und mutmasslich ertrunken sein dürfte. Der Rheinrettung der Feuerwehr Rheinfelden gelang es, den Mann mit einem Rettungsboot aus dem Wasser zu ziehen und zusammen mit der eingetroffenen Ambulanz umgehend Reanimationsarbeiten einzuleiten. Anschliessend wurde er ins Spital verbracht, wo er einige Stunden später verstarb. Nach einer weiteren Person, einem 20-jährigen Somalier, wird zudem in der Reuss gesucht. Bis am Samstagmittag blieb die Suche erfolglos.
Warum ereignen sich in Seen und Flüssen immer wieder Tragödien, bei denen junge Menschen ihr Leben verlieren? Und welche Rolle spielt die aktuelle Hitzewelle?
Was auffällt: Oft werden jüngere Männer Opfer von Badeunfällen. Dies unterstreicht auch der Blick auf die jährlichen Ertrinkungsstatistiken. Im Jahr 2025 kam es zu 43 Todesfällen – davon 32 Männer. Im Jahr 2024 waren es insgesamt 52 Todesfälle – davon 42 Männer. Dies ist laut einem aktuellen Bericht der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG vor allem auf ihr Risikoverhalten zurückzuführen. Besonders im Fokus stehen Männer zwischen 17 und 32 Jahren.
Ist es so heiss wie jetzt, ist ein Sprung ins kalte Wasser besonders verlockend. «Tut man das mit überhitztem Körper, kann es zu einer Stressreaktion kommen», erklärt Christoph Merki von der SLRG auf Anfrage. «Die schlagartige Abkühlung führt zu einer Gefässverengung, wodurch die Muskulatur weniger durchblutet und somit die Durchblutung gestört wird. Dies begünstigt plötzliche, schmerzhafte Muskelkrämpfe oder Herz-Kreislauf-Probleme.» Dies könne dazu führen, dass man sich nicht mehr über Wasser halten kann.
Übermut und Selbstüberschätzung sind also die grössten Gefahren. Kommt Alkoholkonsum hinzu, können diese Faktoren laut Merki verstärkt werden. Denn: Viele würden unterschätzen, dass Gewässer sehr kalt sein können, auch wenn die Temperatur an der Oberfläche angenehm erscheint.
Die hohen Temperaturen wirken sich jedoch nicht nur beim Baden aus, sondern erhöhen auch bei anderen Freizeitaktivitäten die Risiken.
Sind die Temperaturen hoch, zieht es viele Menschen zum Böötlen auf die Flüsse. Die permanente Sonneneinstrahlung und Reflexion auf der Wasseroberfläche können den Körper dehydrieren und schwächen. Trinkt man nicht genügend Wasser oder greift zu Alkohol, steigt das Risiko, im Notfall nicht mehr adäquat reagieren zu können.
Auch im benachbarten Ausland häufen sich die Todesfälle. Am Samstag kam es im Kreis Gross-Gerau (Bundesland Hessen) am Rhein zu drei Badeunfällen. Die Polizei suchte nach den Männern zwischen 23 und 50 Jahren. Leider erfolglos. Alle drei konnten nur noch tot geborgen werden.
Ein besonders dramatisches Wochenende erlebte Frankreich. Laut den Zivilschutzbehörden ertranken am letzten Wochenende insgesamt 13 Personen – darunter auch eine 13-jährige Jugendliche. Insgesamt starben seit Beginn der Hitzewelle in Frankreich bereits 55 Menschen.
Die SLRG weist regelmässig auf die wichtigsten Regeln für sicheres Baden hin. Diese lauten: