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Nicht alle sind dafür: Solarpanels über Rebstöcken

Nicht alle sind dafür: Solarpanels über Rebstöcken

Es war ein Paukenschlag, als sich letzten Herbst die Verantwortlichen der Appellation Côtes du Rhône für ein Verbot von Solarpanels auf den AOC-Flächen aussprachen. Die Gründe dafür sind laut Damien Gilles, Vorsitzender des Winzerverbandes der Region, mangelnde Studien, mögliche Ertragseinbussen und Schäden für den Weintourismus durch die veränderte Kulturlandschaft.

Gegenüber dem französischen Branchenblatt «Vitisphère» bezeichnete Fabrice Brunel, Betriebsleiter der Domaine André Brunel, diese Entscheidung als «etwas dogmatisch». Der Winzer weihte Anfang Juni ein 3,7-Millionen-Euro-Projekt ein. Die Solarpanels erstrecken sich über eine 3,2 Hektar grosse Neuanlage in Travaillan, das ausserhalb des AOC-Gebietes liegt.

Brunel hat die Fläche mit Roussanne und Clairette (beides typische Weissweinsorten der Region) sowie Chardonnay bepflanzt. Die Solaranlage soll nicht nur 1000 Haushalte mit Strom versorgen, sondern auch den Alkoholgehalt des zukünftigen Weissweins massiv herunterschrauben. Brunel spricht von 12,5 Volumenprozent, was im südlichen Rhonetal fast unmöglich ist, und einer knackigen Säure, die dem Trend zu mehr Leichtigkeit und Frische entspricht.

Die Benefits für die Reben stützen sich auf Algorithmen. Die versprechen unter dem Solardach Schutz vor Spätfrösten, Beschattung bei Hitzewellen und Einsparungen bei der Bewässerung in trockenen Jahren.

Eine Agrivoltaik-Anlage darf nicht mehr als zehn Prozent Ertragsverlust verursachen. Um die Einhaltung dieser gesetzlichen Vorgabe zu kontrollieren, wurde eine 0,25 Hektar grosse Kontrollfläche angelegt, die fünf Jahre lang unter anderem auf Wachstum, Gesundheitszustand und Reife der Trauben geprüft wird.

Zur Produktion von Strom und leichteren Weinen kommt noch ein weiterer Nutzen. Nach der ersten Ernte im Jahr 2028 möchte Brunel mit Elektrorobotern die Arbeit in der flachen Parzelle weiter mechanisieren. Der Strom für die Hightech-Geräte wird selbstverständlich von den Solarmodulen stammen.